Geschichte der Sexspielzeuge: von den Ursprüngen bis heute

Inhaltsverzeichnis

    |Alicia Deroussen

    Verfasst von Alicia Deroussen, Gründerin von Adopt1Toy — tabulose, einfühlsame Tipps.

    Vor einigen Jahren erhielt ich ein Paket von einem Lieferanten, in dem ein kleines Buch über die Geschichte der Erotik lag. Ich öffnete es eines Abends aus Neugier und legte es erst um 2 Uhr morgens wieder aus der Hand. Was ich darin entdeckte, hat mich völlig umgehauen: Menschen stellten Gegenstände, die dem Vergnügen dienten, schon lange her, bevor sie die Schrift, das Rad oder so ziemlich alles andere erfanden, was man in der Schule lernt. Dreißigtausend Jahre Erfindungsreichtum im Dienste der Lust. Gar nicht schlecht für eine Spezies, die oft als prüde bezeichnet wird.

    Seitdem habe ich weiter recherchiert. Von archäologischen Museen über viktorianische medizinische Archive bis hin zu den ersten feministischen US-amerikanischen Fachgeschäften der 70er-Jahre — ich habe diese Chronologie rekonstruiert, die dir im Geschichtsunterricht niemand beibringt. Und da ich acht Jahre lang Sextoys verkauft und mir die Fragen meiner Kundinnen angehört habe, hatte ich einen zusätzlichen Grund herauszufinden, woher diese Gegenstände kommen, die wir so lieben, und warum sie uns noch immer faszinieren.

    Archäologische Nachbildung eines prähistorischen Phallus aus Hirschgeweih auf grauem Stein, gerichtete museale Beleuchtung mit Pinsel

    Die Vorgeschichte des Vergnügens: als unsere Vorfahren ihre Wünsche schnitzten

    Der bislang älteste bekannte Phallus wurde in der Hohle-Fels-Höhle in Deutschland entdeckt. Er wurde vor etwa 28.000 Jahren aus Hirschgeweih geschnitzt und ist 20 Zentimeter lang. Die Archäologen versuchten zunächst, ihn als Schlagwerkzeug oder rituelles Zubehör einzuordnen — akademische Prüderie ist hartnäckig. Doch die Form, die Maße und die sorgfältige Politur des Gegenstands sprachen schließlich für sich.

    Clea, die Maskottchen-Ente von Adopt1Toy — überrascht
    Clea — Ein „Schlagwerkzeug“… Jaja. Genau. 😏 Das glauben wir dir.

    Im alten Ägypten wurden Phalli aus Harz und Holz in Frauengräbern gefunden — vielleicht eine Möglichkeit, das Vergnügen im Jenseits zu sichern. Die Griechen stellten ihrerseits olisboi aus gegerbtem Leder oder gebackenem Brot her und bestrichen sie mit Olivenöl. Darstellungen davon finden sich auf attischen Vasen, oft mit unverhohlener Ironie — die Griechen nahmen Sexualität im moralischen Sinne nicht ernst, sondern behandelten sie mit der Offenheit von Menschen, die das jüdisch-christliche Schuldgefühl noch nicht erfunden hatten.

    In Rom hatten Phalli aus Bronze oder Terrakotta eine doppelte Funktion: Sie waren Lustobjekte und Schutzamulette gegen den bösen Blick. Man trug sie als Anhänger oder hängte sie an die Türen von Häusern. Das erigierte Glied war ein Symbol für Fruchtbarkeit und Glück, nicht für Scham. Eine Weltanschauung, die sich radikal von dem unterschied, was folgen sollte.

    Mittelalter und Renaissance: das heimliche Vergnügen

    Mit dem Aufstieg des Christentums in Europa verschwanden Lustobjekte nicht — sie versteckten sich. Mittelalterliche Archive (jene, die die Scheiterhaufen überlebt haben) erwähnen Dildos aus Wachs, Holz und manchmal Elfenbein, die heimlich unter wohlhabenden Frauen weitergereicht wurden. Die Kirche verurteilte sie, kirchliche Gerichte beschlagnahmten sie, und trotzdem blieben sie bestehen.

    Die Renaissance bringt etwas Farbe in dieses Bild. Pietro Aretino, der italienische libertäre Schriftsteller des 16. Jahrhunderts, beschreibt in seinen Ragionamenti Frauen, die Lederphalli mit einer Ungezwungenheit benutzen, bei der selbst manche YouTube-Kommentare heute noch rot werden würden. In China und Japan zeigen erotische Texte und Drucke aus derselben Zeit Gegenstände, die für die weibliche und männliche Masturbation entwickelt und aus Lack, Jade oder Horn gefertigt wurden.

    Was beim Lesen all dessen auffällt: Das menschliche Verlangen hat nie auf eine moralische Erlaubnis gewartet, um sich zu organisieren. Es hat Hindernisse einfach mit mehr oder weniger Eleganz umgangen.

    Nachgestellte Szene aus einer viktorianischen Arztpraxis: Arzt im dunklen Anzug reicht einer Patientin ein Messinggerät

    Das 19. Jahrhundert: als die Medizin das weibliche Vergnügen an sich nahm

    Das ist die Episode aus der Geschichte der Sextoys, die ich im Laden besonders gern erzähle, weil sie etwas geradezu Erstaunliches darüber zeigt, wie die Gesellschaft den Körper von Frauen lange behandelt hat.

    Vera, die Maskottchen-Ente von Adopt1Toy — zwinkert

    Im 19. Jahrhundert diagnostizierten Ärzte bei Frauen häufig eine Erkrankung namens „Hysterie“ — ein Sammelbegriff für jeden nervösen Zustand, Unruhe, Melancholie oder als abweichend bewertetes Verhalten. Die verordnete Behandlung? Eine vom Arzt durchgeführte „Beckenmassage“ bis zum „hysterischen Paroxysmus“ (also, um es klar zu sagen: einem Orgasmus). Das wurde nicht als sexuell betrachtet — schließlich existierte die Sexualität von Frauen laut viktorianischer Medizin offiziell nicht. Es war therapeutisch.

    Das Problem: Es dauerte lange, war für die Ärzte anstrengend und wurde stark nachgefragt. Daher wurden um 1880 die ersten mechanischen Dampfvibratoren und später elektrische Vibratoren erfunden. Dr. Joseph Mortimer Granville wird häufig als Erfinder des elektrischen Vibrators genannt, auch wenn die Geschichte komplexer und umstritten ist. Diese medizinischen Geräte, die in allgemein zugänglichen Katalogen als Massagegeräte angeboten wurden, verkauften sich sehr gut. In den Werbeanzeigen der damaligen Zeit erschienen sie zwischen dem Mixer und dem Ventilator.

    Erst in den 1920er-Jahren, als Vibratoren in erotischen Filmen aufzutauchen begannen, wurde die Verbindung zur Sexualität unmöglich zu leugnen — und ihr Verkauf verschwand für mehrere Jahrzehnte aus den allgemein zugänglichen Katalogen. Die Moral hatte die Technologie eingeholt.

    Die 60er- und 70er-Jahre: die Revolution, die alles veränderte

    Der eigentliche Bruch, der direkt zu dem führt, was wir heute bei Adopt1Toy verkaufen, ereignete sich in den 60er- und 70er-Jahren in den USA und Europa. Drei Faktoren kamen zusammen:

    1. Die Antibabypille (1960 in den USA, 1967 in Frankreich) trennte Sexualität offiziell von Fortpflanzung — und veränderte damit grundlegend, wie Frauen über ihr eigenes Vergnügen dachten.
    2. Der Feminismus der zweiten Welle forderte ausdrücklich das Recht auf weibliche Lust als politische Emanzipation. Anne Koedt veröffentlichte 1970 „Der Mythos vom vaginalen Orgasmus“ — einen Text, der die Klitoris ins Zentrum der öffentlichen Debatte rückte.
    3. Die ersten feministischen Sexshops entstanden: Eve's Garden 1974 in New York, Good Vibrations 1977 in San Francisco. Diese von Frauen für Frauen geführten Geschäfte veränderten den Rahmen radikal — es ging nicht mehr um den beschämenden Handel mit männlich geprägter Pornografie, sondern um eine selbstbewusste Sexualaufklärung.

    In diesem Kontext tauchte der Rabbit — der Vibrator zur Doppelstimulation — in den 80er-Jahren in Japan auf, bevor er in den 90er-Jahren die westliche Welt eroberte (insbesondere dank einer Folge von Sex and the City, die viele von euch wahrscheinlich kennen). Der Markt explodierte. Die Materialien entwickelten sich weiter: Von hartem Kunststoff ging es zu medizinischem Silikon, das sicherer und angenehmer ist.

    Weibliche Hand hält einen rosafarbenen Rabbit-Vibrator aus Silikon, der aus seiner eleganten Schatulle genommen wurde und auf einem hölzernen Nachttisch liegt

    Nina, die Maskottchen-Ente von Adopt1Toy — lachendDie 2000er- und 2010er-Jahre: Design, Stille und Silikon

    Die große Revolution dieser Jahre war die Ästhetik. Jimmy Jane, Lelo, We-Vibe: Marken, die beschlossen, dass Sextoys schön und diskret sein und wie Luxusschmuck verpackt werden können. Die Verpackung veränderte sich, die Kommunikation veränderte sich und vor allem — das Design veränderte sich.

    Medizinisches Silikon wurde zum Goldstandard: porenfrei, leicht zu desinfizieren, weich bei Berührung und mit allen Körpern kompatibel. Die Vibrationen wurden dank Hochfrequenzmotoren immer ausgefeilter. Man begann, von einem „schwedischen Motor“ zu sprechen, wie man von einem BMW-Motor spricht — mit einer echten Produktkultur. Auch die Geräuscharmut machte Fortschritte: Der Vibrator, der in den 90er-Jahren wie ein Rasenmäher brummte, wurde durch nahezu geräuschlose Geräte ersetzt.

    In diese Zeit fällt auch, dass BDSM allmählich aus der Heimlichkeit tritt — die Kink-Kultur findet ihren Platz in Medien, auf Festivals und in Fachgeschäften. Metallene Handschellen, Peitschen und Harnesses halten Einzug in die Regale der Sexshops, die sich modernisieren und offen zu ihrer Ausrichtung stehen.

    Und dann gibt es noch die Luftimpuls-Klitorisstimulation. Womanizer brachte 2014 sein erstes Modell auf den Markt und löste damit buchstäblich ein Erdbeben in der Branche aus. Die Luftvakuumtechnologie existierte in anderen Bereichen schon lange — sie auf die Klitoris anzuwenden, war eine naheliegende Idee, die zuvor niemand so konsequent weiterentwickelt hatte. Das Kundenfeedback kam sofort und in großer Zahl. Ich erinnere mich noch gut an den Laden: Die Menschen kamen zurück und sagten: „Das ist anders als alles, was ich bisher ausprobiert habe.“


    Das vernetzte Jahrzehnt: Sextoys, Apps und Intimität auf Distanz

    Seit etwa 2015 hat sich eine neue Grenze geöffnet: das vernetzte Sextoy. Bluetooth, WLAN, mobile Apps — inzwischen kann man einen Vibrator vom anderen Ende der Welt aus steuern. Für Paare in Fernbeziehungen ist das eine konkrete Revolution in ihrem Intimleben. Für Solo-Anwender:innen ermöglicht es eine präzise Personalisierung der Vibrationsmuster, die man sich zehn Jahre zuvor nicht hätte vorstellen können.

    In meinem Katalog habe ich zum Beispiel den vernetzten Oninder Bogotá Silikon-Vibrationsdildo — 9 Modi, kostenlose weltweite App, von überall steuerbar. Oder den ferngesteuerten Rabbit Anne's Desire mit Watchme-Technologie, die eine Steuerung ohne direkte Bluetooth-Verbindung ermöglicht — praktisch an öffentlichen Orten für alle, die gern mit Grenzen spielen. Diese Produkte hätten für viktorianische Frauen, die ihre „Hysterie“ bei ihrem Arzt „behandelten“, wie Science-Fiction gewirkt.

    Auch künstliche Intelligenz beginnt, sich bemerkbar zu machen: Geräte, die die Vorlieben ihrer Nutzer:innen erlernen und die Muster in Echtzeit anpassen. Wir stehen erst am Anfang, aber die Richtung ist klar.

    Zwei Frauen lachen gemeinsam in einem nachgestellten feministischen Sexshop der 70er-Jahre vor farbenfrohen Regalen mit Verpackungen

    Was diese Geschichte über uns aussagt

    Diese lange Reise durch die Zeit enthüllt etwas ziemlich Einfaches: Das menschliche Verlangen ist beständig, universell und unzerstörbar. Weder Scheiterhaufen noch moralisierende Medizin oder prüde Werbung konnten das Bedürfnis nach Vergnügen zum Verschwinden bringen — sie zwangen es lediglich vorübergehend, sich zu verstecken oder zu verkleiden.

    Was sich hingegen verändert hat, ist die Fähigkeit von Frauen, ihr Vergnügen zu benennen, es einzufordern und ihm Priorität einzuräumen. Die Geschichte der Sextoys ist unterschwellig auch eine Geschichte des Feminismus: Jede Epoche, in der Frauen mehr Macht über ihren Körper gewinnen, entspricht einer Epoche, in der Lustobjekte sichtbarer und ausgefeilter werden.

    Ich mag, was diese Perspektive an meiner Art, meinen Laden zu führen, verändert. Wenn eine Kundin zum ersten Mal kommt und ein wenig eingeschüchtert ist, denke ich manchmal an all diese Frauen — Griechinnen, Viktorianerinnen, Amerikanerinnen der 70er-Jahre — die dasselbe Verlangen hatten, und das in weitaus feindseligeren Umständen. Und ich denke mir, dass wir großes Glück haben, in einer Zeit zu leben, in der wir einfach … auswählen können, was uns gefällt, es diskret online kaufen und ausprobieren können, ohne dass irgendjemand etwas dazu zu sagen hat.

    Dreißigtausend Jahre, um hier anzukommen. Letztlich gar nicht so schlecht.

    FAQ — Vos questions sur l'histoire des sextoys

    Quel est le plus vieux sextoy connu dans l'histoire ?

    Le plus ancien phallus identifié par les archéologues est un objet en bois de cerf découvert dans la grotte de Hohle Fels en Allemagne, daté d'environ 28 000 ans. Taillé et poli avec soin, ses dimensions et sa forme ne laissent guère de doute sur sa fonction. Il n'est probablement pas le seul de son époque — c'est simplement l'un des rares à avoir survécu.

    Est-ce vrai que les médecins victoriens utilisaient des vibrateurs sur leurs patientes ?

    Oui, et c'est l'un des épisodes les plus stupéfiants de cette histoire. Au XIXe siècle, le 'massage pelvien jusqu'à paroxysme' était un traitement médical prescrit contre l'hystérie — un diagnostic fourre-tout appliqué aux femmes jugées agitées ou mélancoliques. Les premiers vibrateurs mécaniques puis électriques ont été développés précisément pour faciliter ce 'soin'. Ce n'est qu'au moment où ces appareils ont commencé à apparaître dans des films érotiques que le tabou s'est refermé sur eux.

    Quand les sextoys sont-ils devenus légaux en France ?

    La vente de sextoys n'a jamais été explicitement interdite en France, mais elle a longtemps été contrainte par des législations sur la pornographie et l'obscénité qui rendaient leur commercialisation très complexe. La vraie libéralisation pratique arrive dans les années 90-2000, avec l'essor d'internet et la normalisation progressive du commerce adulte, encadrée aujourd'hui par des réglementations claires sur les matériaux (notamment l'interdiction du phtalates dans les produits en contact avec le corps).

    Comment les matières des sextoys ont-elles évolué au fil du temps ?

    On est passés du bois, de l'os, du cuir et de la résine (Antiquité) au caoutchouc et au plastique dur (XXe siècle), puis au silicone médical qui s'impose comme standard à partir des années 2000. Le silicone médical est non poreux, facile à désinfecter, doux et durable — une révolution par rapport aux matières poreuses des décennies précédentes qui pouvaient héberger bactéries et moisissures. Aujourd'hui, le borosilicate et l'acier inoxydable complètent la palette des matières premium.

    Les sextoys connectés, c'est vraiment utile ou c'est un gadget ?

    Pour les couples à distance, c'est une vraie utilité concrète — pouvoir contrôler le plaisir de l'autre depuis l'autre bout du monde change la dynamique d'une relation longue distance. Pour un usage solo, la valeur ajoutée dépend de la personne : certaines adorent créer leurs propres patterns via l'application, d'autres préfèrent les modes préprogrammés d'un modèle classique. Je recommande le connecté si tu es en couple à distance ou si tu aimes personnaliser très finement ta stimulation — sinon, un bon modèle non connecté fait souvent très bien le travail.

    0 Kommentare

    Hinterlasse einen Kommentar

    Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.

    Photo d'Alicia fondatrice d' Adopt1Toy

    Alicia - Adopt1Toy

    Gründerin von Adopt1Toy.
    Nach 10 Jahren in stationären Loveshops und mehreren Jahren
    in großen Wäschehäusern habe ich Adopt1Toy gegründet, um
    zu teilen, was ich in der Praxis gelernt habe: ehrliche Tipps,
    ohne Tabus und ohne Fachjargon. Alles, was ich hier schreibe, stammt aus echten
    Gesprächen mit echten Menschen.

    Mehr über mich erfahren

    Dein nächstes Lieblingsstück wartet genau hier auf dich 💜

    Erotische Produkte für Erwachsene